Von Matthias auf Sonntag, 18. Januar 2026
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Das Paradies

In diesem Beitrag werde ich versuchen eine Antwort darauf zu geben, wo dieser Ort, genannt „das Paradies“ zu finden ist. Denn es gibt diesen Ort wirklich. Er ist für jeden Menschen zugänglich, wobei viele offenbar ihren Schlüssel verloren haben.

Wenn Menschen unsere Finca betreten fällt oftmals der Satz „Ich glaube, ich bin hier im Paradies angekommen“. Da ist durchaus was dran, wobei ich zum einen anmerken möchte, dass das Paradies nicht an irgendeinem räumlich begrenzten Ort zu finden ist, und zum anderen unsere Finca zwar nicht das Paradies ist, aber durchaus ein Ort, an dem jemand den verlorenen Schlüssel wiederfinden kann.

In der Geschichte der Menschheit gibt es den großen Bruch, der sich vor etwas mehr als 10tausend Jahren ereignete. Die Geschichtsschreibung der Bibel nennt diesen Zeitpunkt den „Sündenfall“. Etymologisch gesehen wird der Begriff „Sünde“ vom Wort Sund abgeleitet, bedeutet also eine Trennung oder Abspaltung. Bleiben wir mal einen Moment bei der biblischen Darstellung: Der Sündenfall ist die Abkehr des Menschen von der göttlichen Ordnung. Denn im Paradies zu leben bedeutet, sich selber als Teil der göttlichen Ordnung gewahr zu sein, aber nicht selber Gott sein zu wollen.

Was unsere Vorfahren dazu getrieben haben mag, selber Gott sein zu wollen, ist mir bisher nicht klar. Aber es ist letztendlich auch egal, denn wir sind wo wir sind und als Menschheit in unserem aus unserer Trennung resultierenden Wahn kurz davor unseren Lebensraum endgültig zu zerstören.

Aber wenn wir als Menschen die Möglichkeit haben, uns die Rolle Gottes anzumaßen, dann haben wir auch die Wahl, unser Leben zu jedem Zeitpunkt wieder als Teil der göttlichen Ordnung zu führen.

Wobei das gar nicht so einfach ist.

Was uns von der göttlichen Ordnung trennt, bezeichnen wir als unsere „Kultur“. Die Kultur erzählt uns u.a., dass es nicht (mehr) möglich sei so zu leben, wie die Menschen vor dem Sündenfall ihr Leben geführt haben.

Wollt ihr denn wieder zurück in die Steinzeit?

Meine Antwort: Ja, unbedingt! Unsere Kultur zu zerstören - denn dessen bedarf es dringend - bedeutet nicht, wieder in Höhlen zu leben und wilde Tiere mit der Steinschleuder zu erledigen. Es geht um ein Anknüpfen an Prinzipien, nach denen die Menschen vor mehr als 10tsd Jahren gelebt haben. Und hier lautet ein Grundprinzip, sich selber als ein mit dem Ganzen verwobenes Partikel wahrzunehmen, ein Tier das nicht besser und nicht schlechter ist als jedes andere Lebewesen, das sich auf dieser Erde befindet.

Jeder Käfer hat das gleiche Recht auf Leben wie ein Mensch!

Der Zugang zum Paradies ist nicht einfach. Denn er setzt voraus, sich selber weniger wichtig zu nehmen und der Natur, in der wir eingebettet sind, wieder zuzuhören. Zuhören fällt uns oftmals schon in menschlichen Kontakten schwer, aber das Paradies öffnet seine Türen erst wenn ich lerne, einer Pflanze zuzuhören und oder mit einem Felsen zu reden und ihn um Erlaubnis zu bitten, bevor ich ein Haus auf ihm baue.

Wer diese Gedanken als Spinnkram bezeichnet, macht genau das, was unsere Kultur von ihm erwartet. Und die Tür zum Paradies bleibt zu. Zumindest solange dieser Glauben aufrechterhalten wird, der Mensch wäre irgendetwas Besseres. Jesus wusste wenn er sagte, es wäre leichter für ein Kamel durch ein Nadelöhr zu gehen, als für einen Reichen ins Paradies zu gelangen. Mit Reichtum ist hier das Festhalten an irgendwelchen durch unsere Kultur bedingten Privilegien gemeint und weniger der reale Kontostand.

Keine Ahnung weshalb mir heute so viele Begriffe aus dem „Best of“ alter Geschichten, auch Bibel genannt, einfallen. Vielleicht sollte ich aber an dieser Stelle anmerken, dass ich mit dem göttlichen Prinzip nicht ein Regelwerk eines als Person dargestellten Wesens mit (über)menschlichen Eigenschaften denke. Gott ist da zu finden, wo ich den Schlüssel zum Paradies wieder in den Händen halte.

Wir sind immer wieder tief berührt von den Welten, die sich uns hier auf der Finca im Kontakt und im Austausch mit Pflanzen und Tieren öffnen. Es gibt keine Regeln, wie es zu sein hat, was darf oder was nicht darf. Leben und Tod geben sich die Hand. Kräuter zu zupfen, die gemeinhin als Unkräuter bezeichnet werden, ist für mich jeden Tag von neuem ein Massaker. Was wir versuchen ist jedoch eine Harmonie im Kontakt mit Pflanzen und Tieren zu schaffen. Und dabei müssen manche sterben, damit andere leben können. Ohne ein gutes Verhältnis zum Tod kein Leben …

In den vergangenen Tagen hat mich immer wieder eine relativ große Ratte auf dem Gelände begleitet. Auch solche Tiere gibt es hier. Die Ratte suchte spürbar Kontakt und ist selber immer wieder stehen geblieben und hat mich angeschaut, wenn ich stehenblieb. Sie respektiert wie alle Tiere auf der Finca gewisse Regeln. In den Jahren hier hat keine einzige Ratte versucht in einem der Häuser zu wohnen oder hat sich an unseren Pflanzen vergangen. Es gab eine Ausnahme vor mehreren Jahren, als eine Ratte es sich in einem Dach einrichten wollte. Nachdem ich mit ihr geredet habe, hat sie sich einen anderen Platz gesucht, den sie mir übrigens auch gezeigt hat. Kein Gast hat meines Wissens in 5 Jahren hier jemals auf dem Gelände eine Ratte gesehen. Die Tiere haben durchaus Anstand und wissen, wo sie sich zeigen oder nicht. Aber sie gehören dazu.

Im Paradies ist eines der Grundprinzipien Respekt vor ALLEM.

Vor vielen Jahren und auch heute noch in einigen wenigen Kulturen üblich hat der Mensch auf dem Boden gesessen. Der Thron war eine Erfindung um deutlich zu machen, über den anderen zu stehen und etwas Besseres zu sein. Nun, da saß der Herrscher erhöht und die gemeinen Menschen saßen immerhin weiter auf dem Boden. Mit der Erfindung des Stuhls hat dann auch der Rest der Menschen das Märchen von der „Krone der Schöpfung“ verinnerlicht und den Bodenkontakt verloren.

Der Weg zum Paradies: Runter vom Stuhl, Krone absetzen!

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