Von Matthias auf Donnerstag, 03. Februar 2022
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Kacke

Ein unangekündigter Sturm in der vergangenen Nacht hinterliess einiges nicht dort, wo es gestern Abend noch zu finden war. Immerhin hat der Wind die Stühle ordentlich zusammengefaltet, bevor er sie an anderem Ort wieder abgelegt hat. Es regnet stundenlang. Das Prasseln auf den Oberlichtern in meinem Schlafbereich vermittelt mir das Gefühl  in einem Zelt zu schlafen.

Am Morgen dann strahlender Sonnenschein. Keine Wolke ist zu sehen. Ich liebe diese Unberechenbarkeit des Wetters …

Heute ist Tag der Kacke. Kanalisation gibt es auf der Finca nicht. Jedes Haus hat seinen pozo negro, also einen schwarzen Brunnen, im Deutschen auch Jauchegrube genannt. Die Abwässer fliessen durch zwei Zwischentanks, in denen sich schwerere Teile absetzen. Von dort geht es in den Pozo, einem mit Natursteinen ausgekleideten Loch von ein bis zwei Kubikmetern Fassungsvermögen. Schon hier gibt es kaum noch unangenehmen Gerüche und das Wasser darf gefiltert ins Innere der Insel sickern. Eine Kläranlage in Miniaturformat.

Alle 10 – 20 Jahre müssen die Tanks gereinigt werden. Das kann man per Hand und mit Eimerchen machen. Oder man bestellt bei der Inselregierung einen LKW, der mit Tank und Rüssel versehen ist und die Scheiße absaugt. So ein LKW war für heute morgen angekündigt. Allerdings hätte er auf dem Zufahrtsweg durch eine Senke fahren müssen. Einen Aufsetzer mitten im Gelände wollte der Fahrer nicht riskieren. Und damit war’s vorbei mit dem Traum vom Rüsselwagen. Da bleibt mir wohl nur das Eimerchen …

Essen und Kacken werden hier zu einer sehr bewusste Angelegenheit. Gesunde Ernährung führt zu gesunder Kacke. Und dass das Klopapier hier in einen extra Eimer landet versteht sich bei diesem Abwassersystem von selber …

Um Kacke-Sammeln zu  üben bin ich eine Stunde später zu Andrea gefahren. Andrea wohnt ein paar hundert Meter höher und hat Pferde. Und Pferde kacken auch. Eine Stunde lang habe ich mit etwas kaputten Handschuhen Kacke in Cubos gefüllt. Cubos sind sehr praktische Gefässe mit denen man alles mögliche transportieren kann. So auch Pferdekacke. Da wir ausser den Katzen keine weiteren Tiere auf der Finca haben, die für natürlichen Dünger sorgen, müssen wir die Kacke eben ranholen.

Ab und zu kommt auch ein Regenwurm mit in den Cubo. Die sind bei uns Mangelware. Aber vielleicht werden sie ja hier heimisch und vermehren sich reichlich. Dann könnten sie zu einer konzertierten Gartenaktion beitragen. Alle machen mit - Pferde, Würmer, Vögel, Käfer. Die lokalen Mitarbeiter*innen in der Bodenbearbeitung wollen natürlich auch ihren Teil haben. Das ist verständlich.

Einige dieser Aktivist*innen sind jedoch recht gierig und müssen -wenn sie erwischt werden- das Feld räumen. Dazu gehören Schnecken oder Raupen oder auch eine ganz besondere Spezies auf dieser Insel:  es handelt sich um eine Art Wurm, der etwa 15cm unter der Erdoberfläche darauf wartet, dass die Nacht anbricht. Wenn seine Stunde gekommen ist, schleicht er sich an die jungen Pflänzchen heran, die am Morgen dann oftmals nackt und ohne Blätterchen dastehen. So einen Halunken zu erwischen ist mir vor ein paar Tagen gelungen! Ich habe auch von Freunden des Anbaus auf eigenem Feld gehört, die ab 23 Uhr mit der Taschenlampe auf Jagd nach den kleinen Halunken gehen. Ja, der Anbau von Pflänzchen ist eine spannende Angelegenheit …

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