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Lecker ...

Essen

Für die Zubereitung meiner Mahlzeiten nutze ich zwei Quellen – was in Küche und Kühlschrank lagert und was im Garten gerade ruft. Jetzt im Frühling überwiegt die Komponente Garten. Das wächst und spriesst und oftmals entsteht die Komposition der Mahlzeit beim Gang durch die Pflanzungen. Zur Zeit ist hier auf der Finca Möhren-Saison und es gibt jeden Tag mindestens eine Mahlzeit mit Möhre. Möhre mag ich am liebsten roh in allen denkbaren Zubereitungsvarianten.

Heute gab es einen kleinen Möhrensalat. Die Möhre wurde beim Gang durch den Garten ausgewählt. In meinem Korb landeten neben der Möhre noch eine Frühlingszwiebel, eine Zucchini, etwa 20 Cherry-Tomaten von der kleineren und 25 von der grösseren Sorte. Die Tomaten stehen dann einfach auf dem Tisch und werden gegessen, wenn es gerade passt.

Nach dem Raspeln der Möhre und eines Stückchens Apfel (Import) fehlt mir noch eine Zitrone. Keine Zitrone im Kühlschrank? Also wieder raus in den Garten und einen der Zitronenbäume um eine kleine Gabe gebeten. Beim Abschmecken kam mir dann die Idee, dass ein wenig Minze gut passen könnte. Die wächst zum Glück nicht weit von der Küche in einem Topf. So renne ich beim Kochen oftmals mehrfach wieder nach draussen, weil mir noch irgendetwas eingefallen ist.

Die sonnenwarme Zucchini fühlte sich schön an. Sechs Scheiben wurden mit Ei angebraten. Das Ei gibt es von Menschen, die Hühner halten und bei denen die Hühner so viele Eier legen, dass alles was über ist abgegeben wird. Ich kann mich nicht erinnern, hier schon mal Eier in einem Laden gekauft zu haben.

Die Kartoffeln kommen auch aus dem Garten. Die musste ich aber nicht extra ausbuddeln. Sie lagen schon in der Küche. Leider sind es die letzten der aktuellen Ernte.

So eine Komposition von leckeren Dingen zu essen erfüllt mich mit Dankbarkeit.

 

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Doing nothing?

Gemuesegarten

Mit Masanobu Fukuoka hätte ich mich sicherlich prima verstanden. Der Japaner gilt als Pionier der Permakultur und praktizierte vor etwa 50 Jahre „do-nothing farming“. Hätte er sein landwirtschaftliches Anbaugebiet nicht in Japan, sondern hier auf den Kanaren gehabt, hätte es bei ihm sicherlich ähnlich ausgesehen, wie es bei uns gerade spriesst und blüht.

Vielleicht hätte seine Finca aber auch ganz anders ausgesehen, denn „doing nothing“ ist eine Aktivität von grösster Intensität. Bezogen auf den Anbau setzt es voraus, die Natur aufmerksam zu beobachten und minimal einzugreifen, um auf diese Weise ohne düngen und pflügen einen optimalen Ertrag zu erlangen. Da Fukuoka bei seinen Beobachtungen sicherlich andere Dinge aufgefallen wären als mir, würde seine Farm selbst in nächster Nachbarschaft vermutlich anders ausgesehen haben. Aber immerhin hätten wir uns über unsere Beobachtungen austauschen können. Das hätte ich gerne getan …

Ganz im Gegensatz zu meinem Umgang mit der Natur ist meine Art, mein eigenes Leben zu gestalten. Bei Wohnräumen, beim Kochen und sogar in Beziehungen tendiere ich zum Minimalismus. Es darf klar und einfach sein. In der Konsequenz bedeutet das für mich meinen Wohnraum mit meiner eigenen Präsenz zu beleben und so wenig wie möglich rumstehen zu haben. Mein Essen ist einfach und lecker, betont die wenigen einzelnen Komponenten, die möglichst jede für sich ihren Geschmack entfalten darf. Mein Beziehungsleben ist intensiv mit allen, die sich in meine Nähe trauen.

Gegensätzliche Pole sind in mir selber komplementär und stellen keinen Widerspruch dar.

Interessant wird es allerdings in Räumen, in denen sich Natur und mein eigener Gestaltungsraum verbinden. Nehmen wir als Beispiel meine Wohnung in Hamburg. Die Wohnung befindet sich mitten in der Stadt. Da habe ich die Natur in meine Wohnung eingeladen. Das Bett befindet sich in einem Bereich, der manchmal komplett zugewachsen ist. Über dem Essen auf dem Tisch wedeln fröhlich ein paar Palmwedel. Am Schreibtisch schaut einem der Gummibaum über die Schulter. Alle fühlen sich wohl, eingeschlossen ich selber. Es gibt Menschen die meinen, ich sollte doch mal im meine Wohnung klare Linien reinbringen. Ich frage mich wozu? Ich teile diesen Raum gerne mit meinen pflanzlichen Mitbewohner*innen. Wir unterhalten uns und es geht ihnen mit mir und es geht mir mit ihnen gut. (Jetzt mal abgesehen davon, dass sie aktuell meine Gesellschaft vermissen und ich sie manchmal auch …)

Hier auf den Kanaren ist es anders. In meinem Haus gibt es keine Pflanzen. Dafür spriesst die Natur draussen aus allen Ecken, Enden und Mauerwinkelnn. Manche der blattreichen Mitbewohner*innen schauen gerne zum Fenster herein und müssen deshalb von Zeit zu Zeit geschnitten werden, da ich nun mal gerne in hellen Räumen lebe.

Das Photo zeigt einen kleinen Ausschnitt des Gemüsegartens am heutigen Nachmittag. Wer genau hinschaut, kann Mangold, Salat, Möhren, Rucola, Tomaten, Blumenkohl, Rotkohl, Kohlrabi, Spinat, Zwiebeln und eine kleine Aubergine entdecken. Ein paar Pflanzen verstecken sich. Und dann gibt es auf dem Photo natürlich noch jede Menge anderer Kräuter für Tees und Wohlergehen. Und die vielen Unbekannten, von denen ich gar nicht weiß, wer sie eigentlich sind …

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Kacke

Pferdekacke

Ein unangekündigter Sturm in der vergangenen Nacht hinterliess einiges nicht dort, wo es gestern Abend noch zu finden war. Immerhin hat der Wind die Stühle ordentlich zusammengefaltet, bevor er sie an anderem Ort wieder abgelegt hat. Es regnet stundenlang. Das Prasseln auf den Oberlichtern in meinem Schlafbereich vermittelt mir das Gefühl  in einem Zelt zu schlafen.

Am Morgen dann strahlender Sonnenschein. Keine Wolke ist zu sehen. Ich liebe diese Unberechenbarkeit des Wetters …

Heute ist Tag der Kacke. Kanalisation gibt es auf der Finca nicht. Jedes Haus hat seinen pozo negro, also einen schwarzen Brunnen, im Deutschen auch Jauchegrube genannt. Die Abwässer fliessen durch zwei Zwischentanks, in denen sich schwerere Teile absetzen. Von dort geht es in den Pozo, einem mit Natursteinen ausgekleideten Loch von ein bis zwei Kubikmetern Fassungsvermögen. Schon hier gibt es kaum noch unangenehmen Gerüche und das Wasser darf gefiltert ins Innere der Insel sickern. Eine Kläranlage in Miniaturformat.

Alle 10 – 20 Jahre müssen die Tanks gereinigt werden. Das kann man per Hand und mit Eimerchen machen. Oder man bestellt bei der Inselregierung einen LKW, der mit Tank und Rüssel versehen ist und die Scheiße absaugt. So ein LKW war für heute morgen angekündigt. Allerdings hätte er auf dem Zufahrtsweg durch eine Senke fahren müssen. Einen Aufsetzer mitten im Gelände wollte der Fahrer nicht riskieren. Und damit war’s vorbei mit dem Traum vom Rüsselwagen. Da bleibt mir wohl nur das Eimerchen …

Essen und Kacken werden hier zu einer sehr bewusste Angelegenheit. Gesunde Ernährung führt zu gesunder Kacke. Und dass das Klopapier hier in einen extra Eimer landet versteht sich bei diesem Abwassersystem von selber …

Um Kacke-Sammeln zu  üben bin ich eine Stunde später zu Andrea gefahren. Andrea wohnt ein paar hundert Meter höher und hat Pferde. Und Pferde kacken auch. Eine Stunde lang habe ich mit etwas kaputten Handschuhen Kacke in Cubos gefüllt. Cubos sind sehr praktische Gefässe mit denen man alles mögliche transportieren kann. So auch Pferdekacke. Da wir ausser den Katzen keine weiteren Tiere auf der Finca haben, die für natürlichen Dünger sorgen, müssen wir die Kacke eben ranholen.

Ab und zu kommt auch ein Regenwurm mit in den Cubo. Die sind bei uns Mangelware. Aber vielleicht werden sie ja hier heimisch und vermehren sich reichlich. Dann könnten sie zu einer konzertierten Gartenaktion beitragen. Alle machen mit - Pferde, Würmer, Vögel, Käfer. Die lokalen Mitarbeiter*innen in der Bodenbearbeitung wollen natürlich auch ihren Teil haben. Das ist verständlich.

Einige dieser Aktivist*innen sind jedoch recht gierig und müssen -wenn sie erwischt werden- das Feld räumen. Dazu gehören Schnecken oder Raupen oder auch eine ganz besondere Spezies auf dieser Insel:  es handelt sich um eine Art Wurm, der etwa 15cm unter der Erdoberfläche darauf wartet, dass die Nacht anbricht. Wenn seine Stunde gekommen ist, schleicht er sich an die jungen Pflänzchen heran, die am Morgen dann oftmals nackt und ohne Blätterchen dastehen. So einen Halunken zu erwischen ist mir vor ein paar Tagen gelungen! Ich habe auch von Freunden des Anbaus auf eigenem Feld gehört, die ab 23 Uhr mit der Taschenlampe auf Jagd nach den kleinen Halunken gehen. Ja, der Anbau von Pflänzchen ist eine spannende Angelegenheit …

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